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LKZ 20. April 2012

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Freitag, 20. April 2012 

Ludwigsburger Kreiszeitung / Foto: LKZ

1,6 KILO SPRENGSTOFF FEGEN ALTEN SCHORNSTEIN WEG.

Nervosität? Nein! Nichts dergleichen ist zu spüren. Routiniert erledigen die Männer der Sprengfirma die letzten Handgriffe. Sie wuseln um den alten Schornstein des Heizkraftwerks auf der Hartenecker Höhe. Das Kraftwerk selbst – einst von den Amerikanern gebaut – ist schon vor einigen Tagen abgerissen worden.

Noch ragt der Kamin stolze 24 Meter in die Höhe. Schon am Mittwoch wurden die 38 Bohrlöcher in seinem Sockel gesetzt. Gestern Vormittag kommt dann die Füllung: 1,6 Kilogramm Sprengstoff. Die Löcher sind so gesetzt, dass der Turm nach der Zündung in die Grube stürzt, die von dem Heizkraftwerk übriggeblieben ist.30 Meter Kabel werden von dem Kamin aus in eine sichere Entfernung verlegt. Von dort wird die Sprengung ausgelöst. Die Mitarbeiter des Sprengunternehmens fahren ihre Bagger und Autos außer Reichweite der geplanten Einsturzstelle des Kamins. Auch alle Arbeiter müssen sich nun in Sicherheit bringen.Dann ist Sprengmeister Lothar Rapp an der Reihe. Mit einer Kurbel baut er aus 30 Meter Entfernung die nötige Spannung für den entscheidenden Impuls auf, der den Sprengstoff zur Explosion bringt. Dann ertönt das Warnsignal, ein Knopfdruck noch und das war’s.Ein lauter Knall. Dann passiert einige Momente lang überhaupt nichts. Nur ganz langsam sieht man eine Staubwolke vom Rumpf des Schornsteins aufsteigen. Dann neigt er sich. Erst ganz bedächtig, wie in Zeitlupe, dann immer schneller stürzt er in Richtung der vorbereiteten Grube. Ein dumpfes Grollen ist das nächste, was man hört. Der Aufprall erschüttert den Boden auch noch in 30 Metern Entfernung. Der Turm verschwindet in der Grube und in einer riesigen Wolke aus Staub. Es riecht nach Silvesterböllern.Schon vor dem Aufprall hat der Kamin seine Spitze verloren. Sie fliegt noch ein paar Meter weiter durch ein Eisentor und bleibt etwa einen Meter vor dem Weg unterhalb der Hartenecker Höhe liegen. Glück gehabt! Fast wäre sie in einen Baucontainer eingeschlagen. Den Rest des Schornsteins, der beim Aufprall nur an wenigen Stellen zerbricht, erledigen jetzt die Bagger.