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LKZ 08. März 2014

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Samstag, 8. März 2014

Ludwigsburger Kreiszeitung / Foto: Christian Steiner

IN DER GESCHICHTE WOHNEN.

Im Baugebiet Hartenecker Höhe sind nicht nur Neubauten entstan- den. 33 Wohnungen liegen im denkmalgeschützten Offizierskasi- no. Ihr Ambiente ist einmalig.

Durch den Eingang von der Comburg- straße aus ist der Eintritt in dieses 76 Jah- re alte Gebäude am eindrucksvollsten. Ein Schritt, und man steht mitten in der Geschichte. Der meterhohe Speisesaal für die Offiziere mit seinen holzvertäfel- ten Wänden, die in eine stuckverzierte Decke münden, ist beeindruckend. Hier wurde alles erhalten oder nach den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes wiederhergestellt.

Ursprünglich dachte der Stuttgarter Unternehmer Christof Huber daran, hier eine Gewerbeeinheit oder die Bibliothek der Schlösslesfeldschule unterzubringen. Aus diesen Plänen wurde aber nichts. So blieb der Speisesaal leer und empfängt heute die neuen Bewohner mit seiner weiten Großzügigkeit. Ungenutzt bleibt dieses Schmuckstück deshalb aber nicht. „Hier finden die Eigentümerversamm- lungen statt, und in Absprache mit der Hausverwaltung kann man dort auch ei- ne Party feiern“, sagt Huber.

Der Projektentwickler ist in Ludwigsburg kein Unbekannter. Mit seinem auf denkmalgeschützte Immobilien spezialisierten Unternehmen „Wohnen & Leben“ hat er auch schon das Gebäude Roter Ochsen am Holzmarkt und die drei histo- rischen Gebäude am Akademiehof, Ecke Alleen-/Stuttgarter Straße umgebaut und restauriert.

2009 hat er dann das Offizierskasino auf der Hartenecker Höhe zum ersten Mal betreten. Neben dem alten Wachgebäude, in dem heute ein Café unterge- bracht ist, und der ehemaligen Turnhalle – heute ein Kinder-und Familienzentrum – ist das Kasino das letzte erhaltene Gebäude der Flakkaserne, die im Dritten Reich, Ende der 30er Jahre gebaut wurde.

Da sich der Name Offizierskasino aber nicht für die Vermarktung eignet, erfand Huber kurzerhand die wohlklingende Be- zeichnung „Casino Leander“. Immerhin soll Zarah Leander während des Dritten Reichs einen Auftritt in der Flakkaserne gehabt haben.

Die 33 Wohnungen in dem Gebäude sind bereits verkauft. 32 gingen an Inves- toren, nur ein Eigentümer wohnt auch in seiner Wohnung. Seit vergangenem Sep- tember ziehen die neuen Mieter nach und nach in das ehemalige Kasino ein. Nur ein Viertel der Wohnungen ist noch nicht vermietet, sagt Huber.

Eine denkmalgerechte Sanierung unter der Knute des modernen Brandschutzes scheint ein schier unmögliches Unterfangen. Im Offizierskasino der Flakkaserne ist trotzdem ein behutsamer Umgang mit der Geschichte gelungen. Der Speisesaal ist praktisch komplett erhalten, sogar ein Teil des Parketts wurde gesichert. An anderer Stelle wurde der Bodenbelag dem historischen Vorbild nachempfunden. Auch Treppengeländer und so manche Tür sind noch original.

Die von Grund auf sanierten und mit moderner Haustechnik ausgestatteten Wohnungen im Erdgeschoss haben alle eine Terrasse, die Maisonette-Wohnun- gen im Obergeschoss sind mit einer Loggia ausgestattet. Die Deckenhöhe beträgt bis zu 3,50 Meter. Zu jeder Wohnung ge- hört auch ein kleiner Kellerraum. Die bei- den schönsten Kellerräume haben dage- gen eine besondere Funktion. Die Säulenhalle ist „der wohl schönste Fahrrad- keller Ludwigsburgs“ (Huber) und der rustikale Gemeinschaftsraum mit Ka- chelofen und Landsknechtdarstellungen an der Wand ist als Keller einer Wohnung zugeordnet worden.

Ein weiteres Schmuckstück liegt im Erdgeschoss. In einer Wohnung wurde die originale Holzvertäfelung an den Wänden und der Decke erhalten. Außer- dem hat diese Wohnung als einzige einen alten Kachelofen, der mit Ornamenten der 30er Jahre verziert ist.

Eineinhalb Jahre hat der Umbau gedauert. Jetzt ist alles fertig – man sieht Christof Huber die Erleichterung an.